ergänzende Inhalte m 02/07


Fotos des KEN-Musicals "Anatevka"

In unserer Galerie finden Sie zusätzliche Fotos des Musicals "Anatevka".

Den Bericht finden sie im "m" 2/07 ab Seite 14.



>> zur Bildergalerie

Leitgedanken von Hansruedi Gassmann in Versform

Gekonnt unterhielt Hans Spuhler die versammelten Gäste, indem er einige Leitgedanken, welche Hansruedi Gassmann in seinen vielen Ansprachen bei Diplomfeiern geäussert hatte, in Versen auf launige Weise vortrug.

Opportunisten oder Abschiedsworte an Diplomanden
(z.B. nach Goethe, in vierfüssigen Jamben)

Die Menschen wandeln oft und gern
Auf alten ausgetretnen Pfaden
Bequemlichkeit ist weicher Kern
Des Akts zu ihrem eignen Schaden
Bei manchem tritt dazu die Angst
Die tiefe Furcht vor allem Neuen
Du zitternd um die Zukunft bangst
Den Pferden gleich, die oftmals scheuen.
Dennoch: ihr sitzt am Platz der Sonne
Geniesset frech das Glück in Wonne

Ambivalenz oder Lehrer und Schüler im Dauerclinch
(z.B. nach Gryphius, in Alexandrinern)

Wo nur der Lehrer herrscht, allein Befehl regieret,
Konflikt wird hier Programm, und Streit zum Schulgesetz.
Es scheitern Lehrer, Schüler, die Eltern schaun entsetzt.
Die Jugend leidet schwer, den Kampf sie stets verlieret
Und gibt die Schuld der Schule, und spricht nur halbe Wahrheit.
Du kennst die andre Hälfte: es trägt ein Zweiter mit
Die Schuld ist gegenseitig, es bleibt nur eine Bitt’,
Solang sich da nichts ändert, bringt endlich sie doch Klarheit:
Der Lehrer zwingt den Schüler: Wirf’ Du den ersten Stein.
Erst wenn die Schule tot ist, kann sie kein Feind mehr sein.

Ideal und Wirklichkeit
(z.B. nach Lessing, im Blankvers)

Dem Frust der Schüler lieget stets zugrunde
Die Sehnsucht, die sich aus sich selbst erneuert,
und jedem Menschen durch Gesetz zu eigen ist,
die Sehnsucht nämlich nach Vollkommenheit,
sie spriesset aus dem grossen Ungenügen
an aller vorgefundnen Wirklichkeit
Das „Fliegen unsrer Seele“ setzt entgegen
frische, kluge, bessre, schönre Ziele
Realität ist heut, wie Fromm erklärt,
ein „Habenwert“, perfekte Leistungsschule
Gesellschaft, eindimensional und blind,
Mit Zeugnisnoten setzt sie falsche Werte
Verrät damit ein jeglich Ideal
Gelangt nie als System zur letzten Ganzheit
Verpasst den echten Wert des Seins bestimmt
Setzt nicht die Kräfte frei, die Leben formen.

Durch Schmerzen empor
(z.B. nach Homer, in Hexametern)

Vorbei sind doch die Zeiten, da unsre Schüler die Arbeit
Auf Strassen und Gassen schon fanden lang vor dem Abschluss der Schule.
Denn hoch und höher himmelwärts stieg die Kraft unsrer Wirtschaft
Und gesucht war das fragliche Können der Schüler zu jeglichem Preise
Zum Glück aber fern auch ist die Zeit der Dreissiger Jahre
Als nur die Hälfte von allen sichere Stellung dann fanden,
und flugs für die andern die Notfallkasse die Schule schnell äuffnet.
Wenn heute die Schüler suchen behend den Zutritt zur Wirtschaft,
so kostet das perlenden Schweiss sie, soviel als ihnen nicht lieb ist.
Doch eines bleibt ihnen gewiss beim Suchen nach Arbeit und Broten:
Ihr Schulsack ist prall und gefüllet mit Geist und unsterblichem Wissen.